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Irish News, 24. Juni 2005


Die Verhaftung von Sean Kelly ist eine bewusste Provokation und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit

von Jim Gibney


Sean Kelly wwurde 1993 für ein versuchtes Bombenattentat auf die Führung der pro-britischen Terrorgruppe UDA verurteilt. Die Bombe explodierte aus bis heute ungeklärten Gründen vorzeitig in einem Fischladen in der Shankill Road und tötete neun Zivilisten und den IRA Mann Thomas Begley. Sean Kelly wurde mit den anderen politischen Gefangenen vor fünf Jahren unter dem Karfreitagsabkommen entlassen. Er ist ein aktiver Unterstützer des Friedensprozesses. Am Samstag, den 18. Juni 2005 wurde er erneut inhaftiert. Der britische Nordirlandminister Peter Hain behauptete, Kelly sei erneut "in terroristische Aktivitäten verwickelt", gab aber keine spezifischen Gründe für die Verhaftung an. Die Verhaftung folgte heftigen Unruhen in Ardoyne nach einem erzwungenen Oraniermarsch durch das Viertel. Kelly war allerdings nicht anwesend. Der irische Taoiseach (Ministerpräsident Bertie Ahern hat offiziell das Anglo-Irische-Sekretariat gebeten, Gründe für die Verhaftung herauszufinden. Der irische Senator Hayes sieht politische Gründe hinter der Verhaftung.
Die Verhaftung des irischen Republikaners Sean Kelly aus Ardoyne ist eine bewusste Provokation und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Sie soll das Vertrauen der Republikaner in den Friedensprozess zermürben. Sean Kelly ist nicht ein Typ wie Johnny Adair (Shankill Kommandeur der pro-britischen immer noch aktiven Terrorgruppe UDA, der verhaftet wurde, nachdem er im Viertel Shankill eine blutige Fehde angezettelt hatte). Die ihn ins Gefängnis gesteckt haben, wissen das.

Sean Kelly unterstützt den Friedensprozess. Er hat unermüdlich daran gearbeitet, den Konfliktherd im Grenzbereich von Ardoyne und den loyalistischen Vierteln zu entschärfen. Und genau aus diesem Grund und aus keinem anderen wurde er mit Hilfe eines fabrizierten Sicherheitsberichts zurück ins Gefängnis befördert. Welche Botschaft sendet diese Art finsterer Manipulation, die sogar vor Entzug der Freiheit eines Menschen nicht zurückschreckt, an die (irischen) Republikaner ?

Ein Beweis dafür, dass der angebliche Sicherheitsbericht eine Fälschung und ein politischer Angriff auf den Friedensprozess ist, wurde von den Nachrichtenagenturen erbracht Sie veröffentlichten einen Briefwechsel zwischen (der nordirischen Polizei) PSNI und einem (pro-britischen) unionistischen Repräsentanten, der sich über die Anwesenheit Sean Kellys bei einem friedlichen Protest beschwert hatte. In einer knappen Antwort erklärt die PSNI, dass Kelly das Gesetz nicht gebrochen habe.

In Wirklichkeit hat Sean Kelly geholfen, Spannungen abzubauen und gewaltsame Zusammenstösse zu verhindern.

Für seine Verhaftung sind (britische) Hardliner im Sicherheitsapparat, die DUP und Teile der Medien verantwortlich. Und ein britischer Nordirlandminister, der noch feucht hinter den Ohren ist und denkt, es sei ratsam, dem Druck der DUP nachzugeben.

Sean Kelly ist eine leichte Beute für diese Hardliner, die schon allzuoft versucht haben, den Friedensprozess zum Scheitern zu bringen.

Loyalistische Politiker widersetzten sich seiner Freilassung (im Jahre 2001 gemäss Friedensabkommen) und verlangten immer und immer wieder seine erneute Verhaftung. Eine ganz andere Haltung namen sie gegenüber Adair loyalistischem Mob ein, der Chaos und Zerstörung auf die Shankill Road brachte.

An diesem Wochenende werden wiederum wie in den vergangenen Jahren dieselben loyalistischen Politiker über die Springfield Road (im republikanischen Teil von West Belfast) in einer Oranierparade marschieren, die den irisch nationalistischen Anwohnern aufgezwungen wird. Eine Parade, auf der sie in der Vergangenheit ein Banner mitgetragen haben, das einen UVF Mann glorifiziert, der Katholiken umgebracht hat.

Viele Republikaner sehen Sean Kelly's Verhaftung als Beweis für die tiefe Krise, in der der Friedensprozess steckt.

Die Folgen der Entscheidung (des erst kürzlich ernannten Nordirlandministers) Peter Hain, Kelly zu verhaften, sind genauso schwerwiegend wie die Entscheidung der damaligen Nordirlandministerin Mo Mowlam, kurz nach ihrer Ankunft mit Gewalt eine Oranierparade entlang der Garvaghy Road (in Portadown) durchzusetzen.

In den Augen vieler Republikaner war Mowlam's Glaubwürdigkeit durch diese Entscheidung erschüttert und stellte sich nie wieder vollständig her. Ich vermute, dass es Hain genauso gehen wird.

Der neue britische Nordirlandminister teilt mit einem seiner Vorgänger den Vornamen, mit Peter Mandelson. Er muss aufpassen, dass er nicht bereits am Anfang seiner Amtszeit genauso ein negatives Image hat wie Mandelson.

Die Neuigkeit von Kellys Verhaftung kam, als die Menschen in Ardoyne mit der gewaltsam durch ihren Bezirk erzwungenen Oranierparade zu tun hatten.

Ardoyne ist ein kleines Viertel.

Die Bewohner haben schwer und überproportional viel während des Konflikts gelitten. Neunundneunzig Anwohner verloren ihr Leben. Hunderte von Männern und Frauen wanderten ins Gefängnis. 20 Jahre lang lebten die Menschen unter militärischer Besatzung.

Als Resultat sind viele traumatisiert.

Sie müssen sich fragen, ob sie jemals in einer Gesellschaft leben werden, die sie respektiert und beschützt.

Wenn die Kommentare des PSNI Offiziers, der den Einsatz in Ardoyne leitete, ein Massstab sind, dann sind wir davon ein gewaltiges Stück entfernt.

Er sagte den Medien, dass sein Hauptanliegen sei, "den Durchmarsch der Parade und der Unterstützer zu erzwingen." Er sagte nichts zu den Folgen seiner Aktionen für die Anwohner von Ardoyne und gab auch keinen Kommentar dazu ab, warum der Oranierorden darauf bestehe, an Ardoyne vorbeizumarschieren.

In diesem Jahr sind die Konsequenzen der Marschrouten der Oranierorden praktisch kein Thema. Diese anti-katholische Organisation droht mit Gewalt, falls sie daran gehindert wird, überall dort zu marschieren, wo sie will.

Ihre Drohungen werden von der DUP wiederholt.

Es ist offensichtlich, dass die Oranierorden und die DUP die Standhaftigkeit der britischen Regierung testen und ausloten. Die britische Regierung muss gegen diese Einschüchterungstaktik religiöser Rassisten konsequent bleiben.

Märsche der Oranierorden sollten von den Vierteln, in denen sie nicht erwünscht sind und in denen sie Anstoss erregen - und erregen sollen - weggeleitet werden.

Und Sean Kelly, ein Befürworter des Friedensabkommens und ein republikanischer Aktivist, der den Friedensprozesses unterstützt, muss sofort freigelassen werden.


Übersetzung: Uschi Grandel, http://archiv.info-nordirland.de/, 24. Juni 2005 (Erläuterungen in Klammern)
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